Worum geht’s?
Die Idee zum Schienenvelo entstand bereits einige Jahre vor dem Bau während einer Reise in der Region Fianarantsoa. Dort fiel der reguläre Zugverkehr – wie so oft – wieder einmal aus. Aus dieser Situation entstand der Gedanke, mit einem einfachen, angetriebenen Fahrzeug die vorhandenen Gleise selbst zu nutzen.
Im Mai 2023 wurde diese Idee schliesslich in Antananarivo gemeinsam mit Freunden und ehemaligen Weggefährten aus der Zivildienstzeit umgesetzt. In einer Werkstatt von HoverAid entstand innerhalb einer Woche ein improvisierter, aber funktionsfähiger Prototyp, der anschliessend auf realen Gleisen getestet wurde.
Was war die Herausforderung?
- Nur sehr wenig Zeit: von der Idee bis zur Testfahrt standen lediglich fünf Bautage zur Verfügung
- Die vorhandenen Gleise waren teils stark verschlissen, ungleich breit und mit Übergangslücken versehen
- Es standen nur lokal verfügbare Materialien und einfache Werkstattmittel zur Verfügung
- Der Antrieb musste mit vorhandenen Fahrrädern und ohne aufwendige Spezialteile realisiert werden
- Die Spurführung musste trotz improvisierter Bauweise zuverlässig funktionieren
- Transport, Startpunkt und Testbetrieb mussten kurzfristig organisiert werden
Wie wurde das gelöst?
Das Fahrzeug wurde als Plattform mit einem vorderen und einem hinteren Laufwerkskonzept aufgebaut. Vorne liefen zwei grosse Kugellager direkt auf den Schienen. Seitlich wurden kleinere Lager montiert, welche die Spurführung übernahmen. Hinten dienten zwei Fahrräder als Antriebseinheit. Dafür wurden die Fahrräder gemäss Gleisabstand verbunden und auf einer geschweissten Stahlkonstruktion befestigt.
Die vorderen Fahrradräder wurden entfernt und durch einen Support auf der Plattform ersetzt. Zusätzlich kamen im hinteren Bereich seitliche Führungsrollen zum Einsatz, um die Spur zu stabilisieren. Für die Plattform wurden lokal erhältliche Holzplatten verwendet. Ergänzt wurde der Aufbau sogar durch ein Sofa, einen kleinen Tisch und eine alte Autonummer – funktional und mit einer guten Portion Humor.
Am frühen Morgen des 8. Mai 2023 wurde das Schienenvelo erstmals auf die Gleise gesetzt. Der Prototyp funktionierte grundsätzlich, auch wenn sich im Test zeigte, dass Gewicht, Feuchtigkeit auf den Schienen und die Justierung der Seitenlager grossen Einfluss auf das Fahrverhalten haben. Nach rund acht Kilometern wurde die Fahrt zwar beendet, weil die offizielle Genehmigung fehlte – doch als schneller Realprototyp unter einfachen Bedingungen war das Projekt ein voller Erfolg.
Gleichzeitig entstand dabei auch die weiterführende Idee, ein solches Schienenvelo eines Tages als touristisches Angebot in Madagaskar zu nutzen – etwa für Ausflüge im Hinterland rund um Antananarivo.
Key Features
- Funktionsfähiger Schienenvelo-Prototyp
- Entwicklung und Bau in nur fünf Tagen
- Lokale Beschaffung der Materialien in Madagaskar
- Geschweisster Stahlrahmen mit Holzplattform
- Vorderes Laufwerk mit grossen Kugellagern
- Seitliche Spurführung über zusätzliche Rollenlager
- Hintere Fahrräder als direkte Antriebseinheit
- Erfolgreiche Testfahrt auf realer Bahnstrecke
- Praxisnahe Erkenntnisse zu Spur, Gewicht und Fahrverhalten
- Potenzial für touristische oder lokale Nutzungsideen